Trinksprüche

Dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalten, haben schon Komponisten des 17. Jahrhunderts thematisiert. Und auch Johann Wolfgang von Goethe, der bedeutendste Dichter unserer deutschen Literatur, hat sie beschrieben, die wohltuende Wirkung von Speis‘, Trank und Gastlichkeit.

Trinksprüche haben eine lange Tradition. Und auch wenn nicht jeder von ihnen unmittelbar ein Beitrag zum Weltkulturerbe ist, so durchdringen sie doch unser bürgerliches Bewusstsein und stimmen uns mehr oder weniger heiter.

Trinksprüche

Sicher kennen Sie auch den einen oder anderen Trinkspruch. Um Brüderlichkeit geht es da und darum, wie man im feuchtfröhlichen Kollektiv dem alltäglichen Kummer entflieht – und die Sorgen einfach mal Sorgen sein lässt.
Es gibt sie gesprochen und gesungen (Tonart: unbedingt „Dur“) und ihre zentrale Kulisse sowie Wirk- und Produktionsstätte ist selbstverständlich das Wirtshaus – nach wie vor.

Erst mal angekommen in diesem gastlichen Zufluchtort, fallen – wenn man den gängigsten Trinksprüchen oder auch Sprichwörter Glauben schenken darf – die Sorgen buchstäblich von einem ab. Sofern man letztere nicht ohnehin gleich zu Hause gelassen hat. Und man lernt, dass konsequentes Vermeiden von Kummer und Schmerz aus dem Leben einen einzigen großen Scherz macht – frei nach der Empfehlung einer überaus spaßigen, aber leider unbekannten Quelle “Lustig gelebt und selig gestorben heißt dem Teufel die Rechnung verdorben”.

Wenn das nur gar so einfach wäre! So simpel und verlockend die Weisheiten sind, die sich hier ausdrücken, so wenig brauchbar wären sie, würden wir sie eins zu eins für unser Leben anwenden.

Welche Haltung wollen wir nun selbst beziehen in dieser Thematik? Will der Sozialkritiker in uns Trinksprüche aburteilen als Freibriefe für Alkoholismus als ultimative Konfliktbewältigungsstrategie? Oder sind wir gar zu gebildet und kultiviert, um uns auf das Niveau von naiven und unreflektierten Volksweisheiten oder Bauernregeln herabzulassen?

Oder nehmen wir sie als das, was sie sind: als kleine Heiterkeiten, die noch niemals den Anspruch hatten, allzu ernst genommen zu werden. Und amüsant sind sie allemal, diese Trinksprüche, obwohl oder gerade weil wir ja genau wissen, dass wir uns das Leben nicht schöner trinken können, als es ist. Aber wohl dosiert ab und an mit seinen Freunden bei einem guten Glas Wein Abstand gewinnen zum Alltag und sich selbst – das hält ganz sicher Leib und Seele zusammen.

Wohl bekomm‘s.